Datum
11.03.2015
Titel
Nachtdienst-Check im Krankenhaus. Ein wichtiges Thema mit unseriösen Methoden.
Untertitel
Die Versorgungssituation während des Nachtdienstes in den Krankenhäusern näher zu beleuchten, um eine fundierte Grundlage für Verbesserungen zu schaffen, ist zweifelsfrei wichtig. Die Frage ist, ob es zielführend ist, wenn unangekündigte Besuche von Verdi der richtige Weg sind.
Text
Ein etwas unwirkliches Szenario: Mitarbeiter des Pflegedienstes werden während ihres Nachtdienstes von Mitarbeitern der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zu ihrer Versorgungssituation befragt. Ob von den 237 Krankenhäusern vorab Genehmigungen dafür eingeholt wurden bleibt nach wie vor offen. Aus den daraus gewonnenen Erkenntnissen werden statistische Rückschlüsse auf die Versorgungssituation im Nachtdienst gezogen und populistisch aufgearbeitet. „Das ist schon eine sehr seltsame Vorgehensweise, die jeglicher wissenschaftlicher Basis entbehrt“, kritisiert der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Pflegemanagement Peter Bechtel. Das Thema Nachtdienst ist ein äußerst wichtiges Thema, welches durchaus auch den Bundesverband Pflegemanagement mit Sorgen erfüllt. Es gibt aber genügend seriöse Studien über die nächtliche Versorgungssituation in den deutschen Krankenhäusern. Verdi stellt hier mit fragwürdigen Methoden die Krankenhäuser und damit auch die Geschäftsführungen und Pflegedirektionen an den Pranger.
 
In der Tat ist es so, dass derzeit alle Krankenhäuser am Limit oder auch darüber hinaus arbeiten. Fast flächendeckend ist aus der Bundesrepublik Deutschland bekannt, dass die Krankheitsquote beim Personal insgesamt überdurchschnittlich hoch ist und gleichzeitig der Patientenstand überproportional angestiegen ist. Viele Krankenhäuser bestellen daher schon jetzt elektive Patienten ab und verschieben Operationstermine, um die Basisversorgung der Bevölkerung zu sichern. „Diese Situation wird natürlich durch den ohnehin vorhandenen Mangel an Pflegekräften verschärft, ist aber trotzdem sehr außergewöhnlich. In solche Situationen kommen wir aber zu dieser Jahreszeit immer wieder“, erläutert Bechtel die aktuelle Situation. „Mit seltsamen Stichproben und undifferenzierten Zahlen kommen wir aber nicht weiter“, betont der Vorsitzende des Bundesverbands. „Das gilt auch für die in dem Bericht zu findenden Ausführung zu den Intensivstationen. Ein grundsätzliches Verhältnis, dass eine Pflegekraft nicht mehr als zwei Patienten betreuen sollte, kann man so nicht formulieren, wenn man den Grad der Erkrankung und den Pflegebedarf der Patienten dabei völlig außer Acht lässt“, kommentiert Bechtel die Studie weiter.
 
Zweifelsohne hat sich die Personalsituation der Pflege in den Krankenhäusern zunehmend verschärft. Durch Förderprogramme wurde der Personalabbau nur teilweise gebremst. Auch das angekündigte Programm der Bundesregierung wird hier nur eine teilweise Erleichterung bringen. Die Pflege in Deutschland fordert schon lange eine angemessene Personalausstattung in den Krankenhäusern. „Dafür müssen in erster Linie jedoch die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. So lange Krankenhäuser nur durch beständige Leistungssteigerung ohne entsprechenden Personalausgleich schwarze Zahlen schreiben können, kann uns dieses nie gelingen“, so Bechtel abschließend. Die klare Forderung ist daher, ausreichende Erlöse für die Pflegeleistungen in den Krankenhäusern zur Verfügung zu stellen. Der Pflegeaufwand der Patienten muss adäquat finanziert werden und das damit erwirtschaftete Geld muss auch in der Pflege eingesetzt werden.
 

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