Datum
10.03.2017
Titel
Genügend Pflegepersonal in den Krankenhäusern?
Untertitel
Die RWI-Studie „Die Zukunft der Pflege im Krankenhaus“ wurde auf dem Kongress des Westens diskutiert. Ludger Risse, Vorsitzender der Landesgruppe NRW des Bundesverbands Pflegemanagement, tritt einigen Aussagen des RWI Gutachtens deutlich entgegen.
Text

Im Rahmen des Gesundheitskongress des Westens 2017 fand am 07. März 2017 eine Podiumsdiskussion zu dem Thema „Verbessert eine gute Ausstattung der Pflegekräfte die Qualität der Krankenhäuser?“ statt, an der Ludger Risse teilnahm. Dieser widersprach deutlich der Aussage des  Gutachtens, dass die jetzige Situation in Bezug auf die Qualität der Patientenversorgung und das Patienten-Pflegekräfteverhältnis nicht so bedenklich seien, wie gemeinhin angenommen. Im RWI-Gutachten werden im Wesentlichen die Fallzahlen und die Belegungstage als Parameter herangezogen.

Risse kritisiert, dass keine Aussage über die Entwicklung der Pflegebedürftigkeit berücksichtigt wurde und dass der Vergleich von 2002 zu 2014 schon allein deswegen eine Schieflage bringt, weil schon vor dem Jahr 2002 30.000 Stellen für Pflege im Krankenhaus verloren gegangen sind. Richtigerweise wird in diesem Gutachten festgestellt, dass es eine deutlich stärkere Steigerung (etwa 56%) der Vollkräfte im ärztlichen Bereich gegeben hat. Risse rechnete vor, dass selbst unter Berücksichtigung des vermehrten Ärztebedarfes aufgrund des EugH-Urteils zum Bereitschaftsdienst, entweder die Entwicklung der Ärzte falsch ist und somit rund 30.000 Ärzte zu viel in den Krankenhäusern arbeiten, oder aber die Entwicklung des Pflegepersonals falsch ist, wonach analog zur Entwicklung des ärztlichen Dienstes 81.000 Pflegestellen im Krankenhaus fehlen würden. Er machte deutlich, dass die Arbeitsgrundlage der ärztlichen Versorgung durch die Pflege geleistet wird und somit ein kausaler Zusammenhang zwischen dem ärztlichem Versorgungsaufwand und der pflegerischen Versorgung besteht. Dem widersprach in der Diskussionsrunde niemand.

Auch der im Gutachten getroffenen Schlussfolgerung, dass sich die pflegerische Versorgung aus dem Krankenhaus heraus eher in die stationäre und ambulante Pflege verlagere, widersprach Risse deutlich. Es gibt von 2012 bis 2014 eine um das 7-fache gesteigerte Entlassungsquote aus dem Krankenhaus in eine Pflegeinrichtung. Risse wertete dieses als einen Indikator für einen erhöhten Pflegebedarf im Krankenhaus und nicht als Verlagerung der Pflege aus dem Krankenhaus. Die anwesenden Pflegekräfte unterstützten diese Einschätzung. Insgesamt war es eine spannende Diskussion. Einig waren sich alle Diskussionsteilnehmer: Auch wenn es über die Quantitäten unterschiedliche Sichtweisen gibt, ist festzustellen, dass deutlicher Handlungsbedarf besteht. Die Pflege ist im Krankenhaus deutlich zu stärken! Die Datenlage über erforderliche Pflegeleistungen bei den Patienten ist derzeit noch recht lückenhaft, was auch das Gutachten des RWI erklärt.